Lieber Otto K.,
Während einer Phase-III-Studie werden z.B. reihenweise 3 Monate alte Säuglinge mit einem Impfstoff behandelt, zu dem es weder zur Wirksamkeit noch zur Sicherheit zuverlässige Daten gibt. Deshalb macht man ja eine Phase-III-Studie. Auch wenn man diese Studie in bester Absicht macht, ist es ethisch bedenklich, Hunderten von gesunden Säuglingen einen nicht zugelassenen Impfstoff zu injizieren. Dieses Ethik-Argument hebt die Ethik-frage bezüglich der Plazebo-Gruppe wieder auf, so dass im Grunde nur noch Fakten zählen sollten.
Das Argument, große Plazebo-Studien wie bei GARDASIL, CERVARIX und ZOSTAVAX seien deshalb ethisch, weil es keinen Therapiestandard gebe, mag Ihrer persönlichen Meinung entsprechen, wird aber von der Zulassungsbehörde bisher nicht angewandt, bleibt als nur eine persönliche Meinung. Sollte es anders sein, nehme ich gerne Quellennachweise entgegen.
Sie scheuen davor zurück, konkrete Zulassungsstudien zu konkreten Impfstoffen zu diskutieren, sondern bleiben auf der Oberfläche. Das ist bedauerlich. Im Falle der drei oben genannten Impfstoffe waren die "Plazebos" mit Aluminiumhydroxid bzw. einem "Virusstabilisator" (ZOSTAVAX) versetzt, was die Aussagekraft der Zulassungsstudien auf nahezu Null reduziert. Zumal bei den Krebsimpfstoffen nicht die klinischen Symptome einer Krebserkrankung ausgewertet wurden und bei ZOSTAVAX der Hersteller Daten zum Studiendesign nicht herausgeben will, aus denen hervorgehen könnte, ob sich die Gesamthäufigkeit der schmerzhaften Hautausschläge - unabhängig von der Zoster-Diagnose - ebenfalls verringert hat.
Ihr blinder Glaube in die von den Herstellern durchgeführten Zulassungsstudien ist wirklich erschreckend.
mfg
Hans Tolzin