Willkommen! Einloggen Ein neues Profil erzeugen

erweitert

Re: spanische Grippe - Augenzeugenbericht?

21.07.2008 23:03:26
Das ist aber schwach, dass ist nämlich zweimal dasselbe, es scheint nur eine einzige Quelle zu geben, die nicht besonders seriös ist.

Deshalb sei es mir gestattet darauf aufmerksam zu machen, wass Wissenschaftler von diesen Behauptungen halten, die sich wirklich konkret mit dem Virus und dem Thema auseinandergesetzt haben:

[www.history.navy.mil]

und

[de.wikipedia.org]

daraus:

"Der Name Spanische Grippe entstand, nachdem die ersten Nachrichten über die Seuche aus Spanien kamen; als neutrales Land hatte Spanien im Ersten Weltkrieg eine relativ liberale Zensur, sodass dort im Unterschied zu anderen betroffenen Ländern Berichte über das Ausmaß der Seuche nicht unterdrückt wurden"

Sie wissen also nie, ob zeitgenössische Berichte nicht geschönt sind.

"Wegen des fulminanten Krankheitsverlaufs bezweifelten anfangs einige Forscher, dass es sich bei der Spanischen Grippe überhaupt um eine Form der Influenza handele."

Auch Zeitgenossen können irren.

"In der Öffentlichkeit kursierten eine Reihe unterschiedlicher Gerüchte über die Entstehung der Krankheit. Eine weit verbreitete Hypothese der damaligen Zeit besagte, die Grippe sei durch Konservendosen aus Spanien importiert worden, diese wären von den Deutschen vergiftet worden, welche die spanischen Konservenfabriken unter ihre Kontrolle gebracht hätten [3]. Einer weiteren Theorie zufolge soll die Krankheit im US-Gefängnis Sing Sing ausgebrochen und von amerikanischen Soldaten nach Europa eingeschleppt worden sein [3]. Sogar klimatische Faktoren sollen eine Rolle gespielt haben; Soldaten schlafen sehr oft unter freiem Himmel und über den Tau seien sie mit dem Grippevirus in Berührung gekommen [3]. US-Amerikaner vermuteten hinter dem Grippeausbruch den Verzehr von Fisch, der vom deutschen Kriegsgegner vergiftet worden sei, sahen den Staub ebenso als Krankheitsursache wie unsaubere Pyjamas oder zu leichte Kleidung, zogen geschlossene Fenster genauso in Erwägung wie offene oder den unvorsichtigen Umgang mit alten Büchern und schlossen auch kosmischen Einfluss nicht aus. Das Gerücht, dass Deutsche beigetragen hätten, die Krankheit in den USA zu verbreiten, wurde dabei sogar von offizieller Seite unterstützt. "

Sehr sogar.

"Die Mortalität bei Influenza-Erkrankungen ist üblicherweise eine U-förmige Kurve, deren Maxima in den sehr jungen und sehr alten Bevölkerungsschichten liegen. Die Mortalität der Spanischen Grippe ist hingegen eine W-förmige Kurve; eine Eigenart, wie sie auch schon bei der Pandemie von 1889/90 beobachtet wurde. Das dritte, atypische Maximum liegt im Bereich der 20- bis 40-Jährigen. Insgesamt werden die Todesfälle der 20- bis 40-Jährigen auf nahezu die Hälfte der gesamten Pandemietoten geschätzt. Als weitere Einzigartigkeit der Spanischen Grippe lag die Mortalität bei Personen unter 65 Jahren deutlich höher als bei der Bevölkerung über 65; etwa 99 % der Toten entfielen auf die erste Gruppe, gegenüber 36 % und 48 % bei den Pandemien von 1957 und 1968.
Eine mögliche Erklärung dieser Anomalien ist ein vor 1889 kursierendes Virus, welches eine teilweise Immunisierung bewirkte. Ein Problem dieser Vermutung ist jedoch, dass dieses Vorgänger-Virus um 1889 verschwunden, knapp 30 Jahre später jedoch wieder aufgetaucht sein müsste.
Gemäß Gibbs et al. in der Spektrum der Wissenschaft von Januar 2006 war ein Faktor bei der ungewöhnlichen Verteilung auch die durch das Virus induzierte, atypisch starke Zytokin-Aktivität. Die Überreaktion des Immunsystems in Form eines ?Zytokinsturms? veranlasst Abwehrzellen zu einem Angriff auf das Lungengewebe. Da gerade die Gruppe der 20- bis 40-Jährigen über ein besonders aktives Immunsystem verfügt, ist hier die Ausprägung des Zytokinsturms besonders stark."

"1951 hatte der damalige Doktorand und später als Pathologe tätige Johan Hultin Gewebeproben aus einem Massengrab von Grippeopfern im Permafrostboden von Alaska exhumiert, jedoch keine Influenzaviren nachweisen können. 1997 beschaffte er sich eine Erlaubnis der auf der Halbinsel Seward gelegenen Gemeinde zur erneuten Exhumierung. Von vier Toten wurden Proben aus dem Lungengewebe entnommen, aus einer davon konnten Bruchstücke der Grippevirus-Gene isoliert werden. Schließlich gelang es, das komplette Genom des Erregers der Spanischen Grippe zu sequenzieren. Dieselbe Forschergruppe des Instituts für Pathologie der US-Streitkräfte in Rockville isolierte zudem 1996 und 1997 unter der Leitung von Jeffery Taubenberger Teile des Grippevirus aus unterschiedlichen Gewebeproben, die von der US-Armee aus dem Ersten Weltkrieg aufbewahrt wurden.
Im Jahr 2003 konnte durch Reid et al. bestätigt werden, dass das Virus zu den Influenza-A-Viren gehörte, von denen auch das Vogelgrippevirus vom Typ A/H5N1 abstammt [4]. 2004 haben Gamblin et al. durch Strukturanalyse des Hämagglutinins H1 gezeigt, wie das Virus der Spanischen Grippe an menschliche Zellen bindet. [5]

Im Oktober 2005 berichteten US-amerikanische Wissenschaftler um Jeffery Taubenberger, dass sie in einem Hochsicherheitslabor des CDC (Center for Disease Control and Prevention) in Atlanta das Virus von 1918 rekonstruiert haben. Ihre Forschungsarbeiten wurden am 6. Oktober 2005 zusammen mit der kompletten Gensequenz in den Fachzeitschriften Science und Nature veröffentlicht. [6]
Die Forscher kamen aufgrund ihrer Analysen zu dem Schluss, dass das menschliche Influenza-Virus direkt von einem Vogelgrippevirus abstamme und der Übergang auf den Menschen wahrscheinlich erst unmittelbar vor Beginn der Pandemie stattgefunden habe. Aufgrund der großen Ähnlichkeit mit bekannten Varianten der Geflügelpest vertreten sie ferner die Meinung, dass das Virus seine Gefährlichkeit als Folge weniger Mutationen erzielt habe und nicht durch einen Austausch von Erbanlagen mit bereits zuvor vorhandenen Varianten der menschlichen Influenza, d.h. nicht durch eine Reassortierung (vgl. auch Antigenshift bei Influenzaviren).
In Tierversuchen erwies sich das rekonstruierte Virus (wie aufgrund der hohen Todesraten der Epidemie von 1918 zu erwarten war) als extrem aggressiv: Es tötete Mäuse rascher als jedes andere bisher bekannte Influenza-Virus des Menschen und war ? im Unterschied zu den meisten menschlichen Influenza-Viren ? auch für Hühnerembryos tödlich. Im Gegensatz zu anderen Experimenten mit Mäusen musste das rekonstruierte Virus hierzu nicht erst an Mäuse angepasst werden. Dies zeigt, dass die Proteine Hämagglutinin wie auch möglicherweise die Neuraminidase des Virus Virulenzfaktoren für Mäuse enthalten. Seine Polymerase-Gene ähnelten denen von A/H5N1 und anderer Geflügelpest-Viren. Außerdem erwies es sich als äußerst vermehrungsfreudig in Epithelzellen aus menschlichen Bronchien, was im funktionstüchtigen Organ zur Lungenentzündung führen würde. Zusätzlich ist es in der Lage, anders als heute kursierende Influenza-Viren, sich ohne Trypsin vermehren zu können, was einen bisher unbekannten Mechanismus der Neuraminidase voraussetzt, der die Abspaltung des Hämagglutinin vereinfacht."

Wissenschaftlicher Fortschritt, was 1951 nicht möglich war, ab 1997 wurde es mehrfach durchgeführt. Es gibt also mehr als eine Quelle, die die Virusstruktur entschlüsselt hat.

PS der Krieg und die damit verbundene "Reisetätigkeit" ist eine der Gründe für die rasche globale Ausbreitung.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 22.07.2008 01:28 von Otto K. (Änderungen ansehen)
Betreff Autor Angeklickt Datum/Zeit

scharlach: Rückgang Todesfälle ohne Impfung

Marika 3122 17.07.2008 18:58:15

Re: scharlach: gegen Scharlach wird und wurde nie geimpft

Otto K 1404 18.07.2008 21:12:20

Re: scharlach: gegen Scharlach wird und wurde nie geimpft

Marika 1113 19.07.2008 19:08:04

Re: scharlach: gegen Scharlach wird und wurde nie geimpft

Karl Woe 1179 19.07.2008 13:45:27

Re: scharlach vs. Tetanus

Otto K 1170 21.07.2008 17:18:42

Re: Bemerkenswert

Sabine Weber 1031 17.07.2008 19:30:13

Re: Bemerkenswert & Scharlach: Rückgang Todesfälle ohne Impfung

Karl Woe 1528 17.07.2008 21:01:58

Re: Scharlach & mehr

Otto K 1545 18.07.2008 22:39:14

Re: spanische Gippe Folge der Massenimpfungen?!!!!

Marika 1096 19.07.2008 19:03:37

Re: spanische Grippe Ursache der Grippeimpfung nicht Folge der Pockenimpfung

Otto K 1178 21.07.2008 18:11:14

Re: spanische Gippe - Augenzeugenbericht

Marika 1104 21.07.2008 21:51:02

Re: spanische Grippe - Augenzeugenbericht?

Otto K 1177 21.07.2008 23:03:26

Re: Scharlach: Rückgang hat wohl mehrere Ursachen

Marika 1075 18.07.2008 11:25:58

Re: Scharlach: Rückgang hat wohl mehrere Ursachen. Ja - aber? eye rolling smiley

Karl Woe 1148 18.07.2008 13:02:19



Sorry, in diesem Forum dürfen nur registrierte Benutzer schreiben.

Hier klicken um sich einzuloggen