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Wissenschaftlichkeit bei Kosten-Nutzen-Analyse der FSME-Impfung

03.08.2008 17:01:11
Wie man aus dem Artikel unten der "Zeit" von 1989 ersehen kann, gibt es keine wirklich wissenschaftliche Grundlage für den Nutzen der FSME-Impfung. Und es gibt auch keine wissenschaftliche Grundlage für Nicht-Impfschäden durch dieselbe. Aber vielleicht sind diese Informationen nach knapp 20 Jahren schon veraltet und überholt?

Zahlen und Statistiken, Behauptungen und Meinungen, Abwiegelungen (bei Schäden durch Impfungen) und Hochstilisierungen (beim Nutzen derselben) - all das hat mit wissenschaftlichen Beweisen absolut nichts zu tun. Ist aber nach wie vor gang und gäbe. Und trotz alledem stützen sich die Verfechter der Impfungen immer wieder auf ihre Wissenschaftlichkeit. Dann noch alles schön verpackt in ein Fach-Kauderwelsch... eye rolling smiley

Hesses "Glasperlenspieler" und Goethes "Zauberlehrling" lassen grüßen.

Quote:
© DIE ZEIT, 24.02.1989 Nr. 09

ZEIT ONLINE 09/1989 S. 86 [http://www.zeit.de/1989/09/Mit-Eifer-geimpft]

Gefährlicher als die Zecken?
Mit Eifer geimpft
Impfstoff in der Diskussion / Von Henning Engeln

Henning Engeln

Im vergangenen Frühjahr wurde vor Viren gewarnt, die durch Zecken übertragen werden und eine bestimmte Form von Hirnhautentzündung verursachen können - die Frühsommer- Meningoenzephalitis (FSME). So viele ließen sich impfen, daß die Herstellerin des Impfstoffes, die Heidelberger Immuno GmbH, mit der Produktion kaum nachkam; 1,4 Millionen Dosen von FSME-IMMUN wurden im vergangenen Jahr verkauft, und knapp eine halbe Million Bundesbürger wurde geimpft. Vereinzelte Fälle von schweren Nebenwirkungen, die jetzt bekannt wurden, veranlassen zur Frage nach dem Verhältnis von Risiko und Nutzen.

Das Berliner Arznei-Telegramm berichtete kürzlich über vier Fälle, in denen nach einer Impfung Krampfanfälle auftraten, und einmal kam es zu akutem Nierenversagen. Wird tatsächlich nur jeder zehnte Fall bekannt, so die Vermutung, dann ist in der Bundesrepublik jährlich mit etwa 40 schweren impfstoffbedingten Komplikationen zu rechnen. Da aber jährlich nur 30 FSME-Infektionen bekannt würden, überwiege das Risiko den Nutzen eindeutig.

Die Hersteller des Impfstoffes bestreiten dies nachdrücklich: "Bei den uns bekanntgewordenen Verdachtsfällen konnten wir keine in kausalem Zusammenhang mit der FSME-Impfung stehende Nebenwirkungen feststellen", stellt Hans Köhler von der Immuno GmbH fest. Zudem beruhe die Nutzen-Risiko-Abwägung im Arznei-Telegramm auf falschen Grundlagen. Beispielsweise werde die Zahl der Erkrankungsfälle völlig unterschätzt. So seien 1982 - vor Einführung der breiten FSME- Impfung - mehr als 140 Fälle bekanntgeworden, und man müsse von einer hohen Dunkelziffer ausgehen, da FSME keine meldepflichtige Erkrankung sei. Die Nebenwirkungen hingegen würden der Zahl und Schwere nach ganz erheblich überschätzt.

Wolfgang Becker-Brüser, Redaktionsmitglied des Arznei-Telegramms, hält allerdings eher das Gegenteil für wahrscheinlich. "Das Meldebewußtsein in der Bundesrepublik sei eher mangelhaft. Schwere Komplikationen würden häufig nicht erfaßt." Auch dem Bundesamt für Sera und Impfstoffe, dem Paul-Ehrlich-Institut in Frankfurt, sind inzwischen Fälle von Impfkomplikationen bekanntgeworden. Doch halten es die Serologen angesichts der begrenzten Anzahl von Fällen für kaum möglich, einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Impfung und Nebenwirkung zu beweisen. "Irgendwelche Symptome treten nach einer Impfung immer auf", erläutert Johannes Löwer vom Paul-Ehrlich-Institut. "Einen Zusammenhang nachzuweisen ist oft schwierig. Im Falle der FSME-Impfungen gibt es bisher keine Beweise." Es läßt sich kaum entscheiden, ob der spezielle Impfstoff die Nebenwirkungen hervorrief oder ob es sich um eine unspezifische Reaktion handelte.

So war in zwei der dem Paul-Ehrlich-Institut gemeldeten Fällen gleichzeitig gegen FSME und Tetanus geimpft wprden. Daß jedoch ein gewisses Risiko besteht, räumt auch Löwer ein: "Bei Abwägung aller Fälle und der Häufigkeit der Nebenwirkungen kommt man zur gleichen Größenordnung ' pro Impfung wie bei der Hepatitis B." Löwer kommt dabei zu dem Schluß, daß der Nutzen der Impfung das Risiko überwiege. "Eine Impfung ist weiter sinnvoll, solange es wirklich Personen betrifft, die ein Risiko für die Erkrankung haben."

Allerdings ist umstritten, in welchen Regionen tatsächlich eine Gefahr besteht. Die vom Impfstoffhersteller verbreitete Landkarte weist Zeckengebiete in Süddeutschland, Österreich, Jugoslawien, Ungarn, der DDR, CSSR, Polen, in Teilen der Schweiz, Norwegens, Schwedens und Finnlands auf. Viele bezweifeln diese Ausdehnung und sehen eine wirkliche Gefährdung nur in Gegenden südlich der Donau.

Grundsätzlich ist beim Verdacht auf schwere Nebenwirkungen Vorsicht geraten: Nur wer wirklich durch Zecken gefährdet ist, sollte sich impfen lassen; also Waldarbeiter, Förster, Landwirte und begeisterte Wanderer in virusdurchseuchten Gebieten. "Für eine Woche Urlaub und gelegentliche Wanderungen lohnt keine Impfung", meint Becker-Brüser. Wer dennoch von einer Zecke gebissen wird, kann sich innerhalb von vier Tagen passiv immunisieren lassen. Aber auch ohne Impfung muß nicht jeder Zeckenbiß Folgen haben; in durchseuchten Gebieten ist nur etwa jede hundertste Zecke virusinfiziert, und der Erreger wird nicht mit jedem Biß übertragen. Ferner gibt es auch Infektionen die folgenlos bleiben, ohne Krankheitszeichen von den Infizierten verkraftet werden. Also: nur im Zweifel für die Impfung.

DIE ZEIT, 24.02.1989 Nr. 09
Betreff Autor Angeklickt Datum/Zeit

Wissenschaftlichkeit bei Kosten-Nutzen-Analyse der FSME-Impfung

Karl Woe 789 03.08.2008 17:01:11



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