Hallo,
Erfahrungen des schottischen Arztes Archie Cochrane, zu lesen in den öfters genannten Buch von Bert Ehgartner "Lob der Krankheit" S. 288:
"Der junge Captain der britischen Armee geriet 1941 auf Kreta in deutsche Gefangenschaft und wurde anschließend nach Saloniki in ein riesiges Gefangenenlager mit 15000 Soldaten aus verschiedenen Ländern überstellt. Hier war er als Arzt für eine große Gruppe von Häftlingen zuständig. Allmählich brachen aufgrund der schlechten Nahrungsmittelversorgung immer mehr Krankheiten aus, und Cochrane war gezwungen, die Patienten nahezu ohne Arzneimittel zu betreuen. Zunächst kam der Durchfall, dann kamen dramatisch klingende Infektionen hinzu: Typhus, Diphtherie, Fleckfieber, Hepatitis.
Auf der Universität hieß es, dass diese Krankheiten einen meist tödlichen verlauf nehmen. "Ich erwartete Hunderte Fälle, die allein an Diphtherie sterben würden, weil keine Therapie zur Verfügung stand", schrieb Cochrane. Tatsächlich zu beklagen waren jedoch nur vier Todesfälle, wobei drei dieser Gefangenen auch noch gleichzeitig an Schußverletzungen laboriert hatten. "Das zeigte sehr klar die relative Bedeutungslosigkeit der Therapie im Vergleich mit der Kraft des menschlichen Körpers". Das Erlebte sollte Cochranes medizinische Welt für immer verändern, und er hegte fortan ein tiefes Misstrauen gegen theoretisches Schulwissen.
Bei der Verlegung in ein neues Lager begann er bereits mit seiner ersten epidemiologischen Untersuchung. Dabei ging es um Tuberkulose, die vor allen unter den russischen und jugoslawischen Gefangenen grassierte. Nach dem Lehrbuch handelte es sich dabei um eine Infektionskrankheit, die über winzige Tröpfchen in der Luft übertragen werden. Demnach wären aber auf dem engen Raum des Lagers fast alle gleichermaßen gefährdet gewesen. Cochrane setzte die Tuberkulose nun in Beziehung zu denLebensmittelpaketen, die die Gefangenen geschickt bekamen. Bei den Russen, die nie Pakete bekamen, erkrankten 5,1 % der Soldaten. Unter den Franzosen, deren Lebensmittelrationen eher unregelmäßig aufgebessert wurden, lag die Rate bei 0,2 %. Und bei den regulär mit Zusatzpaketen versorgten Briten kam es in den ganzen zweieinhalb Jahren der Gefangenschaft zu keinem einzigen Fall von Tuberkulose. "Der Effekt der Nahrungsmittelpakete war eindeutig", kommentierte Cochrane seine Resultate.
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Das wäre auch die Erklärung, warum Krankheiten in ärmeren Ländern größere Probleme bereiten als in Industriestaaten, wo in der Regel die Menschen gut genährt sind (manchmal zu gut, was auch mit großen Problemen einhergeht). Deshalb liegt z.B. die Masernsterblichkeit in der dritten Welt bei 1: 1.000 (teilweise 1:500) und in Industriestaaten bei 1:10.000!!!
Gerade in Kriegszeiten steigen die Infektionskrankheiten an, unabhängig ob dagegen geimpft wird oder nicht. Und was bedeuten langandauernde Kriege immer:
schlechterer Ernährungszustand (Mangel- und Fehlernährung)
psychische Belastungen (Angst, Ungewissheit, Depression)
schlechterer Hygienezustand (z.B. schlechtes Trinwasser)
Dies ist der Nährboden von Infektionskrankheiten. Und in Gebieten auf der Welt, wo (Bürger)-Kriege und Armut herrschen, herrschen auch die Infektionskrankheiten.
Marika